Das kleine Fischlein (Klanggeschichte)

„Das kleine Fischlein“ ist eine Klanggeschichte. Immer wenn in der Geschichte ein bestimmtes Wort erwähnt wird, kann der jeweilige Klang auf den entsprechenden Instrumenten gespielt werden.

Hier sind Vorschläge für die einzelnen Klänge. Natürlich könnt ihr aber auch mit den Kindern zusammen eigene Klänge entwickeln.

Fischlein:
Guiro

König:
Trommel

Fest:
alle

nein:
Rassel

Meerjungfrau:
Kleine Glöckchen

Das kleine Fischlein

Eine Klanggeschichte von Julia Krenz

Das kleine Fischlein döste im Korallenriff, als es plötzlich hin- und hergeschaukelt wurde. Was war denn los? Kam etwa ein großer Räuberfisch? Erschrocken riss es die Augen auf. Ein Räuberfisch war nicht zu sehen. Aber sein Schwarm war auch nur noch in der Ferne zu erkennen.
Schnell schwamm das kleine Fischlein seiner Gruppe hinterher. „Wo wollt ihr denn hin?“, japste es, als es den ersten Fisch erreichte.
„Wir wurden gerufen“, antwortete der Blaugezackte. „Der Bote des Königs möchte uns etwas verkünden.“

Seite an Seite schwammen sie zum Boten. Er stand erhöht am Rand des Riffs und wartete, bis sich alle Fische vor ihm versammelten hatten. Dann hielt er ein großes Blatt in die Höhe und begann zu sprechen: „Hört, was ich euch mitzuteilen habe. Der König feiert ein Fest und lädt euch alle dazu ein. Kommt heute Nacht zum alten Schiff. Dort erwartet euch ein prachtvolles Ereignis.“ Der Bote des Königs rollte das Blatt zusammen, drehte sich um und schwamm mit flinken Schwüngen davon.
„Oh toll, ein Fest!“, freute sich das Fischlein. „Ich wünschte, es wäre schon Nacht. Dann könnten wir direkt losschwimmen.“
„Du willst so zum Fest gehen?“, wunderte sich der Blaugezackte. „Nein, zum Fest des Königs braucht man ein prächtiges Schuppenkleid. So bist du viel zu blass.“ Damit schwamm der Blaugezackte davon.
Traurig sah das Fischlein an sich hinunter. Ja, es stimmte. Sein Schuppenkleid war wirklich nicht besonders strahlend. Aber das hatte doch sonst auch keinen gestört.
Da wuselten die grünen Zwillinge vorbei. „Sollen wir zusammen zum Fest gehen?“, fragte das Fischlein.
Die Zwillinge sahen sich an und schüttelten den Kopf. „Du kannst doch so nicht zum Fest gehen. Nein, zum Fest des Königs braucht man ein prächtiges Schuppenkleid. So bist du viel zu blass.“
Das kleine Fischlein fragte noch viele Fische, doch immer bekam es die gleiche Antwort. „Nein, du bist viel zu blass. Nein, so kannst du nicht gehen. Nein, du hast doch gehört, es soll prachtvoll werden. Nein, nein, nein!“

Traurig schwamm das kleine Fischlein nach Hause zurück und verkroch sich in den Korallen. Es versuchte, nicht auf die anderen Fische zu achten, die sich auf das Fest vorbereiteten. Als es dämmerte, machte sich ein Fisch nach dem anderen auf den Weg. Nur das kleine Fischlein blieb zurück.

Da wurden plötzlich die Korallen zur Seite gebogen und eine helle Stimme fragte: „Kleines Fischlein, warum sitzt du hier so traurig?“
Das kleine Fischlein staunte. Eine Meerjungfrau schaute zu ihm herein.
„Warum bist du nicht auf dem großen Fest des Königs, so wie alle anderen Fische?“, erkundigte sie sich.
„Weil ich nichts anzuziehen habe“, antwortete das kleine Fischlein leise. „Alle sagen: ‚Nein, so kannst du nicht gehen. Du bist viel zu blass!‘“
„Das verstehe ich nicht“, wunderte sich die Meerjungfrau. „Du hast doch so viel Freude und so viele Träume in dir. Wie kann man da blass sein?“
Nachdenklich schwamm die Meerjungfrau um das kleine Fischlein herum. „Ich habe eine Idee. Ich helfe dir, dein Inneres für andere sichtbar zu machen. Bist du dazu bereit?“
Das kleine Fischlein nickte.
„Dann schließe die Augen“, bestimmte die Meerjungfrau, „und denke an deine Träume und an alles, das dir Freude bereitet.“

Das kleine Fischlein schloss die Augen. Sofort war es erfüllt von bunten Farben und Klängen, die es wie eine warme Decke umhüllten.
„Und jetzt öffne die Augen und schau dich an.“ Die Meerjungfrau hielt dem Fischlein einen Spiegel entgegen, in dem ein wunderschön glitzernder und funkelnder Fisch zu sehen war.
Das kleine Fischlein sah sich staunend an. Es leuchtete in allen Regenbogenfarben. „Wow! So ein schönes Schuppenkleid habe ich ja noch nie gesehen!“, strahlte es.
„Das bist du“, sagte die Meerjungfrau. „Es war alles in dir. Ich habe es nur sichtbar gemacht.“
Das Fischlein drehte und wendete sich und tanzte vor Freude. Doch als es sich bei der Meerjungfrau bedanken wollte, war diese verschwunden. Und mit ihr der Spiegel. Nur das Wasser schimmerte noch ein bisschen an der Stelle, an der sie gestanden hatte.
Das kleine Fischlein lächelte und machte sich rasch auf den Weg zum alten Schiff. Nun konnte es doch noch zum Fest des Königs gehen.

Malvorlage

Vielleicht möchten eure Kinder ja auch eigene Fische gestalten. Lasst eurer Fantasie freien Lauf. Wie das Fischlein wohl nach der Verwandlung aussehen mag?

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Der Osterhas war wieder da (Geschichte)

„Der Osterhas war wieder da“ passt inhaltlich zum gleichnamigen Lied und kann auch als Klanggeschichte verwendet werden.

Hier sind Vorschläge für die einzelnen Klänge. Natürlich könnt ihr aber auch mit den Kindern zusammen eigene Klänge entwickeln.

Ei:
Schüttelei

versteckt/Versteck:
Klanghölzer

Osterhase/Osterhas:
Schellenband

Der Osterhas war wieder da

Eine Ostergeschichte von Julia Krenz

„Der Osterhas war wieder da!“, rief Laura ihren Geschwistern zu. „Ihr könnt rauskommen!“
Anna stieß die Tür des Gartenhäuschens auf und stürmte hinaus. Lukas folgte etwas langsamer. Er musste sich schon bücken. Im Stehen passte er nicht mehr durch die Tür, und eigentlich war er auch nur noch selten im Spielhäuschen. Heute hatte er sich aber von der Begeisterung seiner kleinen Schwestern anstecken lassen. Schließlich war morgen Ostern.
„Ich hab was, ich hab was!“ Anna hüpfte von einem Bein auf das andere und hielt einen Sandeimer in die Höhe.
„Boah, ein ganzes Osternest!“, staunte Lukas und kam näher. „Wo war das denn?“
„Das war dort hinter dem Strauch. Hast du auch schon was?“ Anna wartete Lukas` Antwort gar nicht ab und suchte weiter. Sie sah fast aus wie ein Hund, wie sie auf allen vieren über den Rasen krabbelte und die Zweige der Sträucher zur Seite schob.
Laura schmunzelte. Anna suchte meistens an den Orten, an denen vorher schon etwas versteckt gewesen war. Aber dieses Mal hatte sie sich ein paar neue Verstecke einfallen lassen, wie zum Beispiel …
Lukas folgte ihrem Blick und grinste. „Komm, Anna, wir gucken mal dort drüben. Beim Baum waren wir noch nie.“
Anna rappelte sich auf und rannte zu ihrem Bruder, der zum Nussbaum gegangen war. Und tatsächlich: Gut versteckt im hohen Gras lag ein Tennisball.
„Ein Ei, du hast ein Ei gefunden!“, jubelte Anna. „Oh, und da ….“ Anna hob ihr geliebtes Stoffschaf hoch und drückte es an sich. „Der Osterhase hat mir ein Schaf gebracht.“
„Ihr habt doch noch gar nicht alles gefunden“, drängelte Laura. „Guckt doch mal im Sandkasten!“
„Pst, das darfst du doch nicht verraten!“, beschwerte sich Lukas. „Was bist du denn für ein Osterhase?“

Während Anna und Lukas ein Springseil im Sandkasten ausgruben und auch die Schachtel mit der Malkreide entdeckten, saß Laura auf der Bank und stellte sich vor, wie sie morgen zusammen suchen würden. Das Sandförmchen, das unten an der Bank versteckt war, wäre ein Schokohase, und der Wasserball hinter dem Spielhaus ein Osterkörbchen mit bunten Eiern, zwischen denen ein kleines Schokoei lag. Das war eine so wunderbare Vorstellung, dass Laura in der darauffolgenden Nacht den gleichen Traum noch einmal träumte. Doch als sie gerade das rotglänzende Papier des Schokoeies abwickeln wollte, rüttelte plötzlich jemand an ihrer Schulter.
„Laura, Laura, bist du wach?“
Laura öffnete die Augen einen Spalt breit und sah Anna, die vor ihrem Bett stand und ihr Stoffschaf fest an sich gedrückt hielt. Stimmt, sie lag ja im Bett und hatte geträumt. Schade, das Schokoei hatte so gut ausgesehen. Aber, Moment mal. Wenn sie grad geschlafen hatte, dann bedeutete das ja, dass heute Ostersonntag war. Und dann könnten sie sich gleich wirklich auf die Suche machen. Doch da krachte es draußen und im nächsten Moment lag Anna neben ihr im Bett.
„Wie sollen wir denn da suchen?“, jammerte sie. „Bei Gewitter können wir doch nicht raus. Und es wird alles nass. Das ist doch dann nur noch Matsche!“
Laura legte ihrer jüngeren Schwester tröstend die Hand auf den Arm.
Da steckte Lukas den Kopf zur Tür herein. „Guckt mal, was ich grad auf dem Flur entdeckt habe.“ Er holte ein buntes Ei hinter dem Rücken hervor.
„Der Osterhase hat hier drinnen versteckt!“, jubelten seine Schwestern.
Noch vor dem Frühstück hatten sie drei Schokohasen, viele bunte Eier, Schokoriegel und Bonbons gefunden. Und eine Pralinenpackung, die der Osterhase bestimmt für Mama und Papa dagelassen hatte.
Doch wie hatte er es überhaupt geschafft, ins Haus zu kommen?
„Das weiß wohl nur der Osterhase“, schmunzelte Mama.

Der große Osterhasen-Malwettbewerb

„Der große Osterhasen-Malwettbewerb“ ist eine Klanggeschichte. Immer wenn in der Geschichte ein bestimmtes Wort erwähnt wird, kann der jeweilige Klang auf den entsprechenden Instrumenten gespielt werden.

Hier sind Vorschläge für die einzelnen Klänge. Natürlich könnt ihr aber auch mit den Kindern zusammen eigene Klänge entwickeln.

Oskar:
Kazoo

Pinsel:
Glissando Glockenspiel

Ei:
Schüttelei

Farbe:
Rassel/Guiro

rührt um:
mit der flachen Hand auf der Trommel wischen

plumps:
ein Schlag auf der Trommel

Der große Osterhasen-Malwettbewerb

Eine Klanggeschichte von Julia Krenz

„Der große Osterhasen-Malwettbewerb beginnt. Schnappt euch eure Pinsel und los geht`s!“

Oskar, der kleine Osterhase, nimmt sein Ei in die eine und den Pinsel in die andere Hand. Mit welcher Farbe soll er anfangen? Mit rot? Oder mit gelb? Nein, lieber mit blau. Oskar geht zum Topf mit der blauen Farbe. Er nimmt den Pinsel, taucht ihn in die Farbe, rührt um und – plumps. Das Ei ist ihm aus der Hand gerutscht und in den Eimer gefallen. Oskar greift in die Farbe und zieht sein Ei heraus. Es ist komplett blau. Zum Glück ist blau seine Lieblingsfarbe. „Dann lasse ich es einfach so,“ überlegt Oskar, und legt das Ei vorsichtig zum Trocknen auf den Ständer. Dann wäscht er den Pinsel gründlich aus.

„Bei der nächsten Farbe muss ich es anders machen“, beschließt Oskar. Doch welche Farbe soll es sein? „Das blau könnte der Himmel sein“, denkt Oskar. „Dann nehme ich jetzt grün und male eine Wiese“.

Dieses Mal lässt Oskar sein Ei auf dem Ständer liegen und geht nur mit dem Pinsel zum Topf mit der grünen Farbe. Er taucht den Pinsel ein, rührt um und – plumps. Auf dem Boden war eine Pfütze. Oskar ist darin ausgerutscht und hingefallen. Den Pinsel hat er aber gerettet. Er hält ihn hoch über sich in die Luft. Von der Spitze tropft grüne Farbe auf ihn hinunter. Aber für das Ei reicht es noch.

Oskar rappelt sich auf, nimmt vorsichtig das Ei in die Hand und malt eine wunderschöne grüne Wiese darauf. Danach legt er das Ei wieder zum Trocknen auf den Ständer und wäscht seinen Pinsel aus.

Welche Farbe soll er jetzt nehmen? Gelb! Oskar nimmt seinen Pinsel und geht zum Topf mit der gelben Farbe. Er taucht den Pinsel ein, rührt um und – dieses Mal geht alles gut. Oskar hält den tropfenden Pinsel vor sich und geht zum Ei. Er möchte es gerade zum Bemalen vom Ständer nehmen, da – plumps, tropft ein großer gelber Klecks auf sein Ei. „Ach, dann mache ich daraus eben eine Sonne“, beschließt Oskar. „Und aus dem Spritzer daneben mache ich eine Biene“. Er malt, guckt, holt sich noch ein bisschen Farbe, malt, bessert aus und legt dann stolz sein Ei auf den Ständer. Er selber ist zwar mindestens genauso bunt, aber sehr glücklich.

Kinderlieder und Klanggeschichten

Wir singen alte und neue Kinderlieder, gestalten Klanggeschichten und machen Bewegungsspiele zu verschiedenen Themen.

Ab 3 Jahren
Max. 60 Kinder
Dauer: nach Absprache

Programme

Durch das Jahr
Wir feiern Fasching
Frühlingszeit, Osterzeit
Jetzt ist endlich wieder Sommer
Im Herbst
Komm, wir woll`n Laterne laufen
Es schneit!
Musikalischer Adventskalender

Wenn ich groß bin, werd ich …
Tierisch was los
Regen, Wind und Sonnenschein
Willkommen im Märchenland
Wir sind fit und immer in Bewegung

Über mich

Die Kinderliedermacherin „Die Jule“ gestaltet musikalische Events für Kinder ab 3 Jahren. Die zweifache Mutter ist studierte Musikerin, unterrichtet, schreibt Kinderlieder und Instrumentalmusik und erstellt selber die erforderlichen Arrangements. Die Technik (mobile Anlage und, falls erforderlich, Kulissen oder Instrumente) wird mitgebracht.

Kontakt/Anfrage

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Julia Krenz
kindermusik@julia-krenz.de
https://www.facebook.com/MusikalischeEvents/

Süßes oder Saures (Klanggeschichte)

„Süßes oder Saures“ ist eine Klanggeschichte. Immer, wenn in der Geschichte ein bestimmtes Wort erwähnt wird, kann der jeweilige Klang auf den entsprechenden Instrumenten gespielt werden.

Hier sind Vorschläge für die einzelnen Klänge. Natürlich könnt ihr aber auch mit den Kindern zusammen eigene Klänge entwickeln. Oder ihr erzählt die Geschichte (ohne Klänge) als Einführung für mein Lied „Süßes oder Saures“.

Gespenst:
Kleine Glöckchen und/oder „hui“ flüstern

Vampir:
Klanghölzer/klatschen

Kürbis:
Trommel/stampfen

erschrecken:
Schüttelei und/oder „buh“ sagen

Halloween:
alle Instrumente zusammen

Süßes oder Saures:
Sprechgesang

Süßes oder Saures

Eine Klanggeschichte von Julia Krenz

Heute war Halloween. Schon den ganzen Nachmittag über liefen Laura und Lukas unruhig herum, immer mit dem Blick zum Fenster. Ihre Kostüme lagen griffbereit auf dem Bett. Endlich wurde es dämmrig: Geisterzeit.

Lukas hing sich seinen schwarzen Umhang um und steckte sich die langen weißen Zähne in den Mund. Dazu malte Laura ihm noch mit roter Farbe ein paar Blutstropfen ins Gesicht. Fertig war seine Verkleidung als Vampir. Auch Laura schlüpfte in ihr Kostüm, ganz vorsichtig, damit sie die weiße Farbe in ihrem Gesicht nicht verschmierte. Dann umrandete sie mit einem schwarzen Stift ihre Augen und ihren Mund. Und schon standen ein gefährlicher Vampir und ein gruseliges Gespenst im Flur.

„Papa, wir gehen los!“, rief Laura.

„Ist okay“, antwortete Papa. Als er in den Flur kam, schrie er erschrocken auf. „Ah, was ist das? Wo sind meine Kinder hin? Ich sehe nur ein Gespenst und einen Vampir. Was habt ihr mit ihnen gemacht?“

Lukas lachte. „Wir sind`s doch, Papa. Sehen wir gruselig aus?“

„Aber so was von“, bestätigte Papa und wünschte ihnen viel Spaß.

Laura und Lukas nahmen ihre Stoffbeutel und gingen los. Ihre kleine Schwester Anna fürchtete sich immer ein wenig an Halloween. Sie blieb lieber mit Papa zu Hause.

Auf der Bank vor dem Haus stand ein großer Kürbis, in den sie zusammen ein schauriges Gesicht geschnitzt hatten. Er leuchtete in vielen verschiedenen Farben. Lukas grinste dem Kürbisgesicht zu und folgte dem verkleideten Gespenst zum Nachbarhaus. Dort standen sogar zwei Kürbisse beim Eingang, einer auf jedem Torpfosten, und an den Fenstern hingen Gespenster, Vampire, Hexen und Fledermäuse.

„Oh toll“, freute sich Laura. „Die haben bestimmt was für uns.“

Sie klingelte. Als die Haustür aufging, riefen sie Süßes oder Saures. Die Nachbarin lachte und füllte ihnen jeweils eine Handvoll Süßigkeiten in den Beutel.

Etliche Häuser und drei Straßen weiter waren ihre Taschen schon ziemlich schwer geworden.

„Komm, wir klingeln nur noch bei denen und gehen dann nach Hause“, schlug Lukas vor und zeigte auf das Haus am Ende der Straße. „Bei mir passt kaum noch was rein.“

„Okay“, stimmte Laura zu und drückte auf den Klingelknopf. Sie warteten, doch niemand öffnete. Nur die Gardine am Fenster neben der Tür schien sich leicht zu bewegen.

„Vielleicht haben sie es nicht gehört“, vermutete Laura und klingelte noch einmal.

Die Türklingel war bis nach draußen zu hören, doch die Tür blieb verschlossen. Dafür ging das Licht im Erdgeschoss aus.

„Die wollen uns nichts geben“, stellte Lukas entrüstet fest. „Dann ist jetzt wohl Saures fällig!“

„Saures?“, fragte Laura. „Was meinst du denn?“

„Na, es heißt doch Süßes oder Saures. Und wenn sie uns nichts Süßes geben wollen, werden sie schon sehen, was sie davon haben.“ Lukas grinste. Mit den Vampirzähnen sah er richtig gefährlich aus.

Laura schaute ihren Bruder erschrocken an. „Was hast du vor? Du kannst doch nicht …“

„Keine Sorge“, beruhigte Lukas das kleine Gespenst. „Ich will sie nur ein bisschen ärgern. Wir schleichen uns ans Fenster, klopfen, und wenn sie schauen, dann erschrecken wir sie und rennen weg.“

Sie stiegen über die niedrige Begrenzungsmauer und schlichen die Einfahrt entlang. Als sie die Mülltonnen an der Hauswand erreichten, schrie Lukas erschrocken auf. Wie aus dem Nichts stand plötzlich ein riesiger Kürbis vor ihnen.

„Was habt ihr hier zu suchen?“, fragte der Kürbis mit dunkler Stimme.

Laura klammerte sich an ihren Bruder, dem auch etwas mulmig zumute war.

Da nahm der Kürbis seinen Kopf ab und klemmte sich das Kürbisgesicht unter den Arm. Die Geschwister sahen, dass ein junger Mann vor ihnen stand.

„Also, was macht ihr hier?“, wiederholte der Kürbismann seine Frage.

„Wir …, wir …, also, wir wollten doch nur … ein bisschen erschrecken“, stammelte Lukas. „Wir haben nichts gekriegt und da …, da dachten wir …“

„Und da dachtet ihr, ihr schleicht euch einfach mal so auf ein fremdes Grundstück? Dass es vielleicht einen Grund gibt, wenn jemand nicht öffnet, daran habt ihr nicht gedacht?“

Betreten schauten Laura und Lukas zu Boden. Der Kürbismann fuhr jetzt etwas freundlicher fort. „Naja, ihr konntet es ja auch nicht wissen. Aber für meinen Vater ist Halloween kein schöner Tag. Heute ist der Todestag meiner Mutter. Da hat er keine Lust auf Gespenster und Vampire.

„Das tut uns leid.“ Lukas fand als Erster seine Sprache wieder.

Laura kramte in ihrem Beutel und zog eine Tafel Schokolade heraus. „Mag Ihr Vater so etwas?“ Sie hielt dem Kürbismann die Packung entgegen.

Der Kürbismann lächelte. „Das ist eine schöne Idee. Tut es einfach in den Briefkasten. Dann hat mein Vater morgen mal eine angenehme Überraschung. Außerdem muss ich jetzt los. Ich hab nämlich noch was vor.“

Damit setzte sich der Kürbismann wieder sein Kürbisgesicht auf den Kopf und begleitete die Geschwister zur Straße. Dort winkte er ihnen noch einmal zum Abschied zu und verschwand in der Dunkelheit.

Laura steckte die Schokolade in den Briefkasten und hängte sich den schweren Beutel über die Schulter. „Komm, fliegen wir nach Hause“, sagte sie zu dem Vampir.

„Alles klar, du Gute-Fee-Gespenst.“ Lukas grinste. „Das war ein tolles Halloween. Ganz viel Süßes und zum Schluss sogar noch Saures für uns.“